Die Zeitschrift Strafverteidiger ist eine der führenden juristischen Publikationen für Wissenschaft und Praxis des Strafrechts.
Die Zeitschrift berichtet vom Standpunkt des Strafverteidigers aus für Strafverteidiger, sie gibt aber auch Wissenschaft und Justiz einen tieferen Einblick in 
die professionellen Routinen des Berufes. Zugleich versteht sie sich als unabhängiges wissenschaftliches Forum der gesamten Strafrechtswissenschaft.
 

Im Mittelpunkt steht das Straf- und Strafverfahrensrecht sowie die besonders praxisbedeutsamen "Nebengebiete" wie das Betäubungsmittel- oder Jugendstrafrecht. Die Zeitschrift will einen zielgerichteten regelmäßigen Überblick über aktuelle Entscheidungen des EGMR, des BVerfG, des BGH und der OLGe sowie über bemerkenswerte und innovative Instanzentscheidungen geben. Besonders wichtige oder kontroverse Entscheidungen werden unter Berücksichtigung der Perspektive der Strafverteidigung angemerkt. In der täglichen Praxis der Gerichte - und damit der Strafverteidigung - haben Präjudizien häufig prägenden Einfluss auf die Norminterpretation; Strafprozessrecht und Strafverfahren sind nicht dasselbe.
 
Der Strafverteidiger enthält zudem grundlegende Aufsätze zu aktuellen Themen der Strafverteidigung und den drängenden Fragen von Praxis und deutscher sowie europäischer Rechtspolitik. Ergänzt wird der Aufsatzteil durch regelmäßige Dokumentationen aus der Praxis. Neben Rezensionen zu relevanten Publikationen bietet der Strafverteidiger im Rahmen einer Fachpresseschau einen Überblick über strafrechtsrelevante Fachzeitschriftenbeiträge.

 

Von Richter am BGH Prof. Dr. Thomas Fischer, Baden-Baden u. Richter am BGH Prof. Dr. Christoph Krehl, Dreieich

Das BVerfG hat durch Beschluss v. 23.05.2012 Verfassungsbeschwerden von zwei Angeklagten, die eine Verletzung des Rechts auf den gesetzlichen Richter (Art. 101 Abs. 1 S. 2 GG) geltend gemacht hatten, deren Revisionen vom 2. Strafsenat verworfen worden waren, nicht zur Entscheidung angenommen. Diese Behauptung eines Grundrechts-verstoßes knüpfte an der – innerhalb des BGH streitigen – Frage der Besetzung der Vorsitzendenstelle des 2. Strafsenats an. Hierauf ist an dieser Stelle nicht einzugehen; von Belang ist nur Folgendes: Eine Minderheit des 2. Strafsenats hatte in zwei Entscheidungen v. 11.01.2012 und 08.02.20126 die Ansicht vertreten, die Besetzung des (voll ausgelasteten) 2. Strafsenats mit einem Vorsitzenden, der zugleich Vorsitzender des (voll ausgelasteten) 4. Strafsenats war und blieb und beiden Senaten mit jeweils 100% seiner Arbeitskraft zugeteilt war, verstoße gegen die Garantie des gesetzlichen Richters (Art. 101 Abs. 1 S. 2 GG), weil eine Person diese Aufgabe – unabhängig von ihrem subjektiven Wollen – objektiv gar nicht wahrnehmen könne. Diese Argumentation knüpfte unter anderem an die Entscheidung des Großen Senats für Zivilsachen an, nach der die Aufgabe der »Leitung« eines Senats durch einen planmäßigen Spruchkörpervorsitzenden nur dann verfassungskonform wahrgenommen wird, wenn dieser mindestens 75% der Leitungsaufgaben selbst erledigt und nicht an Beisitzer delegiert.

Eine Tatbegehung aus eigenem Antrieb ist das Regelbild der Beihilfe; dieser Umstand darf daher nicht zu Lasten des Gehilfen straferhöhend gewertet werden.

BGH, Beschl. v. 27.01.2011 – 2 StR 577/10 (LG Mühlhausen)

StGB §§ 46 Abs. 3, 27, 250 Abs. 3